neuerrichtung bauernhaus as40

bauherr: privat
standort: arzl
planungsbeginn: winter 2024
fertigstellung:  winter xxx

standort + bestandsbebauung:

die liegenschaft befindet sich am westlichen rand des ortskernes vom stadtteil arzl und ist über die alois-schrott-strasse erschlossen.

das anwesen ist seit längerem nicht mehr bewohnt und der landwirtschaftliche betrieb (viehstall) wurde schon in den 90-iger jahren aufgelassen.

das genaue baujahr ist nicht bekannt, aber höchst wahrscheinlich wurde der schlichte einhof (mittertennhof) zwischen 1900 und 1950 errichtet.

bei der ehemaligen hofstelle handelt es sich um ein zweigeschossiges bauernhaus, bei dem in der westseitigen gebäudehälfte der wohntrakt und in der ostseitigen spange der wirtschaftstrakt mit stall und tenne untergebracht ist.

der hauszugang befindet sich an der nordseitig verlaufenden alois-schrott-strasse und wurde als dreiteiliges holztürportal mittig unter dem first angeordnet.

das erdgeschoss gliedert sich einen breiten flur (mittelgang/tenne), von dem westseitig die stube, die küche und eine kammer und ostseitig der alte viehstall erschlossen werden.

das obergeschoss gliedert sich in eine bis zum satteldach offene tenne und in einen westseitig ausgerichteten wohnbereich mit drei über dem eg-räumen angeordneten zimmern.

das gebäude wurde als mauerwerksbau mit holzbalkendecken im wohntrakt und einer kappendecke im stallbereich errichtet.

die holzfenster des wohntraktes bestehen aus 2-flügeligen kastenfenstern mit horizontalen sprossen die fassadenbündig eingebaut wurden.

die zementgraue fassade des wohntraktes wurde mit einem kratzputz ohne anstrich ausgeführt und nur um die fenster weisse putzfaschen ausgebildet.

das mit 22 grad geneigte und mit rotbraunen dachziegeln eingedeckte satteldach besteht aus einem pfettendachstuhl mit spreng- und hängewerk, dessen first in nord-süd-richtung verläuft.

die strassenseitige giebelwand wurde mit einem echten bundwerk ausgeführt, welches von kopf- und fußbändern eingefasst und von unterschiedlich geneigten auskreuzungen (andreaskreuzen) ausgesteift wird.

das wohnhaus verfügt über keine heizung und die räume können nur über einen holzofen in der küche beheizt werden.

an das gebäude wurde südseitig in einfacher holzbauweise ein kleintierstall zugebaut, der über eine holztor von der westseite zugänglich ist.

planungsaufgabe:

nachdem die zustandsgutachten festgestellt haben, dass das gebäude nach den heutigen anforderungen nicht mehr sanierbar ist, wird eine neuerrichtung in der selben lage und den selben abmessungen verfolgt.

zur wahrung des orts- und strassenbildes soll sich der neubau mit seinem äußeren erscheinungsbild und seiner materialisierung am bestand orientieren.

das neue gebäude soll als zweifamilienhaus konzipiert werden und die planung eine 3-zimmer-wohnung im erdgeschoss und eine 3-zimmer-wohnung im obergeschoss ermöglichen.

der west- und südseitige aussenraum soll neu gestaltet und im zuge dessen eine ebene gartenfläche und ein terrassenplatz geschaffen werden.

die erforderlichen autoabstellplätze sollen zusammen mit dem fahrrad- und dem müllplatz kompakt am westseitigen vorplatz angeordnet werden.

architektur:

das gebäude stellt aufgrund seiner besonderen lage und seiner architektonischen ausformulierung als schlichter einhof (mittertennhof) ein wesentliches objekt des charakteristischen erscheinungsbildes der schutzzone arzl dar.

mit dem sachverständigenbeirat für stadt- und ortsbildschutz ist man übereingekommen, dass sich der neubau bei der strassen- und gartenseitigen fassadengestaltung wieder am bestand orientieren soll.

mit einer handwerklich glatt verputzten fassade, dem einbau von geölten lärchenholzfenstern und der wiederverwendung des bestehenden bundwerkgiebels wird die strassenfassade beibehalten.

durch die gestalterische abstimmung mit der gegenüber und gerade im wiederaufbau befindlichen hofstelle bahner wird für diesen bereich der alois-schrott-strasse ein einheitliches strassenbild erzeugt.

die typologie des einhofs bleibt mit der funktionalen gliederung von wohn- und wirtschaftstrakt und der beibehaltung des alten hauszuganges weiterhin ablesbar.

mit der lagegetreuen ausbildung eines mittigen flurganges wird die charakteristik eines mittertennhofes und deren funktionaler gliederung in zwei spangen fortgeführt.

der später zugebaute kleinviehstall auf der südseite wird durch einen anbau in holzbauweise ersetzt und als wohnbereich im erdgeschoss sowie als terrasse für die wohnung im obergeschoss genützt.

raum und funktion:

da beim bisherigen hauszugang an der alois-schrott-strasse kein gehsteig vorhanden ist, wird ein neuer ungefährlicherer hauszugang auf der westseite ausgebildet.

der bisher mit einem dreiteiligen holztürportal ausgeführte hauszugang wird dennoch zur erhaltung des strassenbildes beibehalten.

über einen durchgang an nordseitigen aussenwand gelangt zu einem windfang im mittelflur, vom welchem die wohnung im erdgeschoss, der abgetrennte stiegenaufgang zum oberschoss und der technikraum zugänglich sind.

die horizontale erschließung aller räume erfolgt in beiden geschossen über den für mittertennhöfe charakteristischen mittelflur, dessen schräg gestellte gangwände in ihrer ursprünglich lage beibehalten wurden.

das neue gebäude wurde als zweifamilienhaus mit jeweils einer 98m2 großen 3-zimmer-wohnung im erdgeschoss und einer 98m2 großen 3-zimmer-wohnung im obergeschoss geplant.

die wohnungen wurden dabei so konzipiert, dass bei diesen, wie schon im bestand, in einer westseitigen spange die natürlich belichtbaren wohnräume und in einer ostseitigen spange die fensterlosen nebenräume angeordnet sind.

bauweise und materialisierung:

die ausführung wird wie schon beim bestand in massivbauweise erfolgen und die aussenwände aus innengedämmten ziegelmauerwerk und einem mineralischen dickputz hergestellt werden.

die setzung und dimensionierung der strassen- und gartenseitigen fensteröffnungen wurde grundsätzlich vom bestand übernommen.

das mit 22 grad geneigte satteldach wird wieder mit einem pfettendachstuhl errichtet und den ortstypischen tondachziegeln eingedeckt.

der südseitige anbau öffnet sich seinen übereckgeführten glaselementen westseitig zu einem vorgelagerten zugangspodest und südseitig zu einer terrasse auf gartenniveau.

mit einer vertikalen lärchenholzfassade und dem dazu abgestimmten holzgeländer fügt sich der anbau anstelle des alten kleinviehstalles stimmig zum hauptgebäude.

als fenster werden 3-fach-verglaste lärchenholzfenster eingesetzt, welche wie schon im bestand mit holzfensterläden verdunkelt werden können.

als referenz an das alte tirggengestänge ist vor der westseitigen aussenwand ein holzbalkon geplant, dessen holzsteher die gliederung der tirggen-konstruktion aufgreifen.

aussenanlagen:

bei der planung des westseitigen vorplatzes wurde die intension verfolgt, möglichst viel grünraum zu erhalten und so wenig fläche wie möglich zu versiegeln.

entlang der südseitigen grundgrenze wurde eine eben gartenfläche geschaffen, in der zwei laubbäume als natürliche schattenspender gepflanzt werden sollen.

für den vorplatz sind als befahrbarer belag ein mit offenen fugen verlegtes kopfsteinpflaster und für die autoabstellplätze versickerungsfähige rasengittersteine vorgesehen.

die strassenseitige einfriedung erfolgt weiterhin mittels eines ortstypischen holzlattenzaunes und auch die lage des zufahrtstores bleibt unverändert.